Ein Großeinsatz folgt dem anderen ...

Seit Samstag Abend sind die Mitarbeiter der ILS Traunstein jeden Tag bei Großeinsätzen gefordert. Begonnen hatte es Samstag Abend kurz nach dem WM-Fußballspiel Deutschland-Argentinien. In Ruhpolding wurde für die Rettungskräfte ein "B3" Alarm ausgelöst, am Sonntag folgte eine umfangreiche Suchaktion im Raum Berchtesgaden nach einer vermissten Person in der Ache - und heute am Montag begann der Tag mit heftigen Regenfällen und dadurch ausgelösten Murenabgängen im Bereich von Bad Reichenhall.

(Einsatzberichte ILS Traunstein / BRK-BGL M. Leitner / PP Oberbayern Süd)

Die erste Alarmierung am Samstag Abend gegen 19.20 Uhr. Aufgrund der Erstmeldung der Polizei-Einsatzzentrale "Vollbrand des leerstehenden ehemaligen Hotels "Sonnenbichl" in Ruhpolding" wurde für die Feuerwehren aus Bergen, Siegsdorf, Inzell, Eisenärzt, Vogling, Traunstein und Ruhpolding ein "B3" Alarm ausgelöst. Trotz schnellem Eingreifen der Feuerwehrmänner brannte das erste Obergeschoss sowie der Dachstuhl beinahe völlig ab. Laut Polizei dürfte  sich der Sachschaden auf 250.000 Euro belaufen. Zur Absicherung der Einsatzkräfte war das BRK mit Notarzt und Rettungsdienst vor Ort. Am Sonntag gegen 6 Uhr wurde dann der Einsatz durch den Abzug der Brandwache beendet.

Weiter ging es dann mit einer Vermisstensuche in der Ramsauer & Berchtesgadener Ache. Gegen 19 Uhr am Sonntag Abend wurde die Polizeieinsatzzentrale Rosenheim von einem Verkehrsteilnehmer informiert, dass an der Gmundbrücke in Berchtesgaden eine ältere Frau in die Ramsauer Ache gefallen und abgetrieben worden sei. Der Mann wurde von einem Kurgast aus Duisburg angehalten, der ihn gebeten hatte, einen Notruf abzusetzen. Die Integrierte Leitstelle Traunstein alarmierte daraufhin ein Großaufgebot an Einsatzkräften: Innerhalb kürzester Zeit waren Feuerwehr, BRK-Wasserwacht, der Rettungsdienst des Roten Kreuzes und die Polizei vor Ort und suchten die Ramsauer und Berchtesgadener Ache ab, wobei Fußtrupps, Schlauchboote und zwei Hubschrauber eingesetzt wurden. Jenseits der Grenze bei Marktschellenberg wurden die bayerischen Einheiten durch Österreichische Wasserrettung und Feuerwehren unterstützt.

Der Kurgast  hatte mitgeteilt, dass seine Frau auf einem Holzsteg ausgerutscht und in die Ache gefallen sei. Er habe sie noch herausziehen wollen, aber nicht mehr erreichen können, da sie abgetrieben worden sei. Mittlerweile waren auch der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ und der Polizeihubschrauber „Edelweiß 1“ im Einsatz: Die Besatzungen suchten die Ramsauer und Berchtesgadener Ache bis nach Marktschellenberg aus der Luft ab; der Pilot von „Christoph 14“ hatte bei einer Zwischenlandung am Bahnhof Berchtesgaden extra einen Wasserretter des Roten Kreuzes aufgenommen, der die vermeintlich treibende Frau sofort sichern hätte können.

Während die große Suchaktion im vollem Gange lief, wurde der Mann aus Duisburg vom Roten Kreuz medizinisch versorgt und von einem Mitarbeiter des BRK-Kriseninterventionsdienstes (KID) betreut. Da nach und nach der Eindruck entstand, dass der Mann psychische Probleme hat und die Angaben nicht mehr glaubwürdig erschienen, wurde die Polizei hinzugezogen. Bei einer weiteren Befragung durch einen Beamten erhärtete sich der Verdacht und es wurden klärende Ermittlungen in Duisburg durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die vermeintlich in die Ache gestürzte Ehefrau bereits vor zwölf Jahren verstorben ist und der Mann in Duisburg alleine lebt. In Berchtesgaden hatte das Paar vor Jahrzehnten Hochzeit gefeiert. Nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin in Duisburg und dem Berchtesgadener Notarzt wurde der Mann zur weiteren Behandlung in das Inn-Salzach-Klinikum Freilassing gebracht.

Im Einsatz waren auf bayerischer Seite rund 70 Feuerwehrleute aus Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Bischofswiesen und Marktschellenberg, die Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) der BRK-Wasserwacht aus Bad Reichenhall und Berchtesgaden mit 15 Wasserrettern, der Rettungsdienst des Roten Kreuzes mit zehn Einsatzkräften und dem Berchtesgadener Notarzt, zwei Hubschrauberbesatzungen, vier Beamte der Polizeiinspektion Berchtesgaden und der BRK-Kriseninterventionsdienst.

Montag, kurz vor 9 Uhr klingelten die Telefone in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim, in der ILS Traunstein und bei der Polizeiinspektion Bad Reichenhall. Verkehrsteilnehmer meldeten Murenabgänge auf der B305, beim so genannten Wachterl, sowie auf der Staatsstraße 2101 im Bereich Thumsee und mehrere Abgänge auf der B21, zwischen Saalachsee und Baumgarten. Vorausgegangen waren nächtliche Regenfälle sowie am Vormittag einsetzender Starkregen.

Bereits in der Anfangsphase wurde ein Einsatzstab, unter Federführung des Landratsamts Berchtesgadener Land, auf dem Volksfestplatz in Bad Reichenhall gebildet. Auch ein Landeplatz für die zum Einsatz kommenden Hubschrauber und ein Rettungsmittelhalteplatz wurden hier eingerichtet.

Auf der B305 im Bereich Wachterl wurde der Verkehr nur minimal durch leichte Abgänge beeinträchtigt, die innerhalb kürzester Zeit beseitigt werden konnten. Schweres Gerät war für die Räumung einer Mure auf der Saatsstraße 2101 nötig. Die Straße war aber bereits um die Mittagszeit wieder befahrbar.

Mehr Schäden verursachten insgesamt sieben größere und kleinere Murenabgänge auf der B21. Dort waren für kurze Zeit Autos und ein Bus von Geröllmassen eingeschlossen. Erst nach Räumungsarbeiten konnten sie ihre Fahrt fortsetzen. Nicht auszuschließen war anfangs, dass die Muren Menschen oder gar Fahrzeuge verschüttet haben könnten. Um sich hier Gewissheit zu verschaffen und im Ernstfall schnelle Hilfe leisten zu können, wurden Einsatzkräfte und Suchhunde, zum Teil mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 14“ und dem Polizeihubschrauber „Edelweiß 1“ zu den Murenkegeln gebracht. Schweres Gerät, in Form von Baggern, Raupen und Lastwagen zur Räumung der Straße und zum Freimachen eines Rettungsweges wurden von örtlichen Unternehmern zum Einsatz gebracht. Die Such- und Aufräumarbeiten fanden unter ständiger Beobachtung der Berghänge und mit größter Vorsicht statt. Zum frühen Nachmittag hin waren die Bereiche jedoch abschließend und ohne Feststellung untersucht.

Zurzeit sind im Bereich Baumgarten mehrere Häuser ohne Strom- und Wasserversorgung. Zwei Häuser im Gefahrenbereich wurden vorsorglich geräumt. Zur Beurteilung der Lage wird ein Geologe hinzugezogen. Die B21 wird bis auf weiteres gesperrt bleiben. Grund hierfür sind die momentan noch unsichere Lage sowie größere Schäden an der Straße selbst. Insbesondere die so genannte Rötelbachbrücke ist durch Unterspülungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Straßenbauamt wird hier erst eine Einschätzung der Lage durchführen müssen.

Im Einsatz waren rund 100 Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehren und des THW, rund 40 Helfer der BRK-Bereitschaften und der Bergwachten, etwa 20 Polizeibeamte sowie Suchhundeteams von Bergwacht und Polizei. Mittels zweier Hubschrauber verschaffte sich die Einsatzleitung einen Überblick über die Lage und transportierte Einsatzkräfte zu den Murenkegeln.

(Einsatzberichte ILS Traunstein / BRK-BGL M. Leitner / PP Oberbayern Süd)

Hier Bilder vom Einsatz in Bad Reichenhall (M. Leitner/BRK BGL):

BW-Suchhunde-im-EinsatzEinsatzbesprechungEinsatzleitungMurenabgang-Bild-1Murenabgang-Bild-2Murenabgang-Bild-3Murenabgang-Bild-4Murenabgang-Bild-5Murenabgang-Bild-6


 

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